Pädagog/innenbildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit

Einleitung

Aufgrund demografischer Entwicklungen sind österreichische Schulen heute mehr als bisher mit der Herausforderung konfrontiert, Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte bzw. Fluchterfahrungen professionell zu begleiten. Das verlangt einen Perspektivenwechsel auf allen Ebenen zu einem ressourcenorientierten Diversitätsansatz, der Diversität als Lernanlass für alle wertschätzt und organisationsbezogenes Lernen einschließt. Dementsprechend steigen auch die Bedarfe zur Qualifikation von Lehrenden für den konstruktiven Umgang mit sprachlicher und kultureller Diversität als Chance für das Lernen und die professionelle Begleitung aller Kinder und Jugendlichen in österreichischen Schulen.

Die Pädagog/ innenbildung Neu bot die Chance und den gesetzlichen Rahmen auf demografische Veränderungen zu reagieren und im Rahmen der neuen Curricula Diversitätskompetenzen für alle Studierenden und zusätzlich im Rahmen spezieller Studienangebote als Schwerpunkt bzw. Spezialisierung zu verankern.

Das BIMM untersucht und dokumentiert die Verankerung des Themenfelds sprachliche und kulturelle Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in den Curricula der österreichischen Pädagogischen Hochschulen. Dazu werden laufend Datengrundlagen erstellt, die eine österreichweite qualitätsgesicherte Weiterentwicklung dieser Themen unterstützt und deren Verankerung in der Pädagog/innenbildung weiter fördert. In den folgenden Rubriken finden Sie Übersichten zu verschiedenen Bereichen der Pädagog/innenbildung, die laufend aktualisiert werden.

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Datenbank zu Weiterbildungsangeboten und Bundesseminaren

Über den nebenstehenden Link gelangen Sie zur BIMM-Datenbank zu Weiterbildungen und Bundesseminaren. Diese Datenbank bietet einen Überblick über bundesweite Fortbildungsangebote der Pädagogischen Hochschulen sowie über berufsbegleitende Weiterbildungsangebote der Pädagogischen Hoschschulen und Universitäten für Lehrende an Schulen und Hochschulen. Enthalten sind sowohl aktuelle Angebote als auch Angebote der vergangenen Studienjahre, basierend auf Datenüberblicken zu Weiterbildungsangeboten der Pädagogischen Hochschulen des BIMM.

Deutsch als Zweitsprache – Kompetenzprofil für Pädagog/innen (DaZKompP)

Das BIMM hat im SJ 2018/19 im Auftrag des BMBWF ein Kompetenzprofil für die Qualifikation von Lehrpersonen von Deutsch als Zweitsprache entwickelt. Im September 2023 wurde DaZKompP aktualisiert. Mit DaZKompP steht nun der Schulaufsicht und Schulleitungen eine Orientierungshilfe bei der Einschätzung von Qualifikationsnachweisen zur Verfügung. Das Kompetenzprofil soll auch den Pädagogischen Hochschulen als inhaltliche Orientierung zur Weiterentwicklung der eigenen Qualifikationsangebote für Deutsch als Zweitsprache (in Aus-, Fort- und Weiterbildung) dienen.

Erstsprachenunterricht – Kompetenzprofil für Pädagog/innen (ESUKompP)

Das BIMM hat im SJ 2019/20 im Auftrag des BMBWF ein Kompetenzprofil für die Qualifikation von Lehrpersonen des Erstsprachenunterrichts entwickelt. Im September 2023 wurde ESUKompP aktualisiert. Mit ESUKompP steht nun der Schulaufsicht und Schulleitungen eine Orientierungshilfe bei der Einschätzung von Qualifikationsnachweisen zur Verfügung. Das Kompetenzprofil soll auch den Pädagogischen Hochschulen als inhaltliche Orientierung zur Weiterentwicklung der eigenen Qualifikationsangebote für den Erstsprachenunterricht (in Aus-, Fort- und Weiterbildung) dienen.

Forschungsprojekt zu den Curricula der Primarstufe der Pädagog/innenbildung Neu

Das Forschungsprojekt „Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in den Curricula der Primarstufe“ bezog sich auf die Pädagog/innenbildung Neu und erforschte die Verankerung des Themenfelds sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in den Curricula des Lehramts Primarstufe Bachelor der österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PHn).

 

Das Projekt wurde von 2016-2018 als kooperatives Projekt von der PH Oberösterreich, der PH Steiermark, der PH Tirol, der PH Vorarlberg und dem BIMM durchgeführt.

 

Ziel des Projekts war es zu analysieren

— mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten

— wie nachhaltig (in welcher Quantität und Qualität) und

— in welchen Studienfachbereichen

das Themenfeld in den Curricula der vier Entwicklungsverbünde verankert ist.

 

Die Ergebnisse des Projekts stellen eine themenspezifische, systematische Analyse der Curricula für die Primarstufe dar und leisten einen Beitrag zur weiteren Qualitätsentwicklung der Curricula betreffend die Verankerung dieses Diversitätsfeldes. Gleichzeitig zeigt das methodische Vorgehen im Projekt ein Modell für die themenspezifische Analyse von Curricula auf.

Methodik

— qualitative Inhaltsanalyse mit deduktiver Kategorienerstellung, digital unterstützt (QCAmap)

— Analysekorpus: Curricula der vier Entwicklungsverbünde West, Mitte, Nord-Ost, Süd-Ost

— vertiefte Analyse der Erstergebnisse unter Beiziehung weiterer Dokumente und Quellen

 

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Projektteam

Barbara Schrammel-Leber, Klaus-Börge Boeckmann, Catherine Carré-Karlinger, Dagmar Gilly, Verena Gučanin-Nairz, Katharina Lanzmaier-Ugri, Peter Theurl

Ergebnisse

verpflichtende, systematische Verankerung ist nicht gegeben

minimale Zuweisung von ECTS-Punkten im Pflichtstudienanteil

Angebot zum Themenfeld überwiegend im Wahlbereich, z.B. in den Studienschwerpunkten

Publikationen

Schrammel-Leber, B., Theurl, P., Boeckmann, K.-B., Carré-Karlinger, C., Gilly, D. Gučanin-Nairz, V. & Lanzmaier-Ugri, K. (2019). Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in den Curricula des Bachelorstudiums Lehramt Primarstufe. In A. Holzinger, S. Kopp-Sixt, S. Luttenberger & D. Wohlhart (Hrsg.), Fokus Grundschule. Band 1. Forschungsperspektiven und Entwicklungslinien (S. 235-247). Münster: Waxmann.

Schrammel-Leber, B., Boeckmann, K.-B., Gilly, D., Gučanin-Nairz, V., Carré-Karlinger, C., Lanzmaier-Ugri, K. & Theurl, P. (2019). Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in der Pädagog_innenbildung. ÖDaF Mitteilungen Heft 1+2 2019, 35. Jahrgang, Interdisziplinäre Perspektiven auf Sprachbildung in Österreich. Zielsprache Deutsch zwischen Pflicht und Chance, 176-190.

Forschungsprojekt zur Umsetzung der Curricula der Primarstufe der Pädagog/innenbildung Neu in der Lehre

Aufbauend auf den Projektergebnissen des Projekts „Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in den Curricula der Primarstufe“ untersucht das Forschungsprojekt „Sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit in der Aus- und Weiterbildung“ die Umsetzung der Curricula der Pädagog/innenbildung Neu für das Studium Lehramt Primarstufe Bachelor zum Themenfeld sprachliche Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit. Im Fokus der Untersuchung stehen Pflichtlehrveranstaltungen sowie wählbare Schwerpunktangebote zum Thema. Da derzeit ein großer Nachqualifizierungsbedarf in diesem Themenfeld besteht, werden auch Angebote der Weiterbildung in das Projekt miteinbezogen. Besonders in Hinblick auf die Studienschwerpunkte, aber auch in Bezug auf Weiterbildungsangebote, die eine umfassende Qualifikation in Bezug auf das Themenfeld bieten sollen, stellt sich die Frage ob diese Lehrveranstaltungsformate die Studierenden entsprechend den Anforderungen und Herausforderungen des Schulalltags in Bezug auf Diversität ausbilden.

Ziel des Projekts ist es aufzuzeigen, welche curricularen Inhalte tatsächlich in der Lehre umgesetzt werden und wie sich die untersuchten Aus- und Weiterbildungsformate in Bezug auf den Wissenszuwachs der Studierenden sowie deren professionelle Haltungen auswirken. Die Ergebnisse des Projekts werden im Kontext von aktuellen Standards zu Qualifikationen im Themenfeld sprachlicher Bildung im Kontext von Migration und Mehrsprachigkeit diskutiert und sollen zur Weiterentwicklung der bestehenden Aus- und Weiterbildungsformate beitragen.

Das Projekt wird als kooperatives Projekt von der PH Steiermark, der PH Tirol und der PH Vorarlberg durchgeführt.

Projektteam

Barbara Schrammel, Klaus-Börge Boeckmann, Peter Theurl, Verena Gučanin-Nairz, Dagmar Gilly

bis 2022: Martina Huber-Kriegler, Carina Hopp, Ursula Rettinger, Stephan Schicker

Projektzeitraum

2019-2022, Verlängerung 2022-2025

Methodik

– Erhebung des Wissenszuwachses bei Studierenden durch den Einsatz des Instruments DaZKom (in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg)

– Interviews mit Lehrenden an Pädagogischen Hochschulen

– Fokusgruppeninterviews mit Studierenden

– Dokumentenanalysen

– Analyse von sprachbiographischen Daten von Studierenden

Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse des Projekts zeigen, dass vor allem umfassendere Studienangebote wie wählbare Studienschwerpunkte besonders positiv auf die Kompetenzentwicklung von Studierenden wirken. Das legt den Schluss nahe, dass solche Angebote in zukünftigen Curricula erhalten bleiben sollten. Es bedarf aber auch einer Nachschärfung im Bereich des Pflichtteils der Lehramtsstudien, da ja nur ein Teil der Studierenden die Studienschwerpunkte besucht und alle Lehr*innen zuständig für die Sprachenbildung sind.

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